In Hofheim am Taunus wurden drei baugleiche Zweifamilienhäuser saniert. Eines der Gebäude erreicht Neubaustandard nach EnEV 2004, das zweite Gebäude erfüllt die damals gültigen KfW-Förderkriterien Energiesparhaus 60 und das dritte erfüllt die KfW-Kriterien Energiesparhaus 40. So ist ein direkter Vergleich möglich. Mit vorgefertigten, geschosshohen Dämmelementen wurde auf der Fassade zum öffentlichen Gehweg ein neuartiger Wärmeschutz realisiert. Aufgrund der integrierten Vakuumpaneele sind sie schlanker als eine gleichwertige, herkömmliche Dämmung.

Die drei freistehenden Zweifamilienhäuser in der Wilhelmstraße in Hofheim (Taunus) wurden 1927 baugleich in Massivbauweise erstellt und sind voll unterkellert. Trotz erster Dämmmaßnahmen in den 1980er Jahren war der Energieverbrauch mit 226 kWh/m²a weiterhin sehr hoch. Aufgrund der Lage der Gebäude direkt am öffentlichen Gehweg war eine hochwertige, klassische Wärmedämmung zur Straßenseite nicht möglich, so dass als Alternative Vakuumdämmung ins Spiel kam. Da es sich um drei fast baugleiche Gebäude handelt, ließen sich energetische Qualitätsniveaus und deren Wirtschaftlichkeit gut vergleichend analysieren.

Gebäude 1: Sanierung nach EnEV 2004-Neubaustandard. Mit der Sanierung wird der Wärmebedarf um 55% und der Primärenergiekennwert um 90% reduziert.

Gebäude 2: KfW-Energiesparhaus 60. Der Wärmebedarf wird um 70% und der Primärenergiekennwert um 90,8% reduziert.

Gebäude 3: KfW-Energiesparhaus 40. Der Wärmebedarf wird um 75% und der Primärenergiekennwert um 94% reduziert. Für den Fassaden-Wärmeschutz wurden großformatige, vorgefertigte Dämmelemente mit integrierten Vakuumisolationspaneelen (VIP) entwickelt und erprobt. Mit dieser Technik konnte straßenseitig eine hochwertige, schlanke Wärmedämmung angebracht werden.

Sanierungskonzept

Die Sanierungsarbeiten an der Gebäudehülle umfassten eine Außendämmung als Wärmedämmverbundsystem, straßenseitig in Großelement-Dämmtechnik, einen neuen Dachstuhl mit Zwischen- und Aufsparrendämmung, Kellerdeckendämmung und neue Fenster. Drei der sechs Wohneinheiten waren während der Sanierungsarbeiten bewohnt.

Gebäude 1: Sanierung nach EnEV 2004-Neubaustandard. Die Sanierung umfasst das Aufbringen eines Wärmedämmverbundsystems auf der vorhandenen Dämmung (4 cm), so dass eine Gesamt-Dämmstoffstärke von 8 cm erreicht wird. Eine Ausnahme bildet die straßenseitige Dämmung mit der neuen Großelemente-Dämmtechnik – hier wurden alle Gebäude gleichermaßen gedämmt. Die Dachdämmung beträgt 18 cm, die Kellerdeckendämmung 4 cm. Die neuen Kunststoff-Fenster haben eine 2-Scheiben-Wärmeschutzverglasung – auch hier bilden die straßenseitigen Fenster mit einer 3-Scheiben-Wärmeschutzverglasung wieder eine Ausnahme. 

Gebäude 2: KfW-Energiesparhaus 60. Der bauliche Wärmeschutz entspricht Gebäude 1. 

Gebäude 3: KfW-Energiesparhaus 40. Verbesserter Wärmeschutz im Vergleich zu den Gebäuden 1 und für die nicht straßenseitigen Fassaden (insgesamt 24 cm), Dach (30 cm) und Kellerdecke (6 cm).

Energiekonzept

Die Haustechnik wurde vollständig erneuert. Alle drei Gebäude werden durch einen zentralen, im Keller eines der Gebäude aufgestellten Holzpellet-Kessel mit Heizwärme versorgt. Das warme Brauchwasser wird in hausweise angeordneten Speichern bereitgehalten, die ebenfalls durch den zentralen Kessel versorgt werden. Dem jeweiligen Energiestandard entsprechend kamen unterschiedliche Lüftungskonzepte zum Einsatz:

Gebäude 1: Sanierung nach EnEV-Neubaustandard, Klassische Fensterlüftung.

Gebäude 2: KfW-Energiesparhaus 60. Gebäudezentrale Abluftanlage mit dezentralen Zuluftventilen unter der Fensterbank.

Gebäude 3: KfW-Energiesparhaus 40. Für jede Wohnung einzeln: Zu- und Abluft-Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung.

Performance

Der errechnete Energiebedarf der drei sanierten Häuser wurde im ersten Betriebsjahr um etwa 50 Prozent unterschritten. Das KfW-Energiesparhaus 40 wie auch das KfW-Energiesparhaus 60 haben beide einen sehr niedrigen Endenergieverbrauch. Den niedrigsten Endenergieverbrauch, trotz höchstem errechneten Energiebedarfs, hat allerdings das Gebäude nach EnEV-Standard. Hier glich das Energie sparende Verhalten der Nutzer den im Vergleich zu den beiden KfW-Energiesparhäusern geringere Sanierungsstandard aus. Dabei spielt das Lüftungsverhalten über Fensterlüftung im Gebäude nach EnEV-Standard und die geringere Innentemperatur von nur 18° eine wesentliche Rolle.

Durch die Sanierung können 62% der Endenergie in Verbindung mit dem zusätzlichen Wechsel des Energieträgers 89% der Primärenergie (inklusive Hilfsstrom) eingespart werden. Der CO2-Ausstoß der Gebäude lässt sich durch die getroffenen Maßnahmen um 90% reduzieren. Das Projekt nimmt durch die Neuentwicklung von großformatigen, vorgefertigten Dämmelementen in Verbindung mit Vakuumisolationspaneelen (VIP) eine Vorreiterrolle ein. Besonders im Bauablauf gibt es hier Möglichkeiten zur Optimierung. Der hohe Vorfertigungsgrad ermöglicht es grundsätzlich, viele Bauprozesse von der Baustelle in das Werk zu verlagern. Dies gelang in dem Projekt in Hofheim nur bedingt.

Wirtschaftlichkeit

Die Neuentwicklung von großformatigen, vorgefertigten Dämmelementen in Verbindung mit Vakuumisolationspaneelen (VIP) führte zu sehr hohen Kosten von 1.200,- Euro pro Quadratmeter für die neuartige Fassadendämmung. Mit einer Serienfertigung und verschiedenen Optimierungen im Planungs- und Bauprozess ließen sich diese Kosten deutlich verringern.

Die neue Dämmtechnik amortisiert sich energetisch nach 8,5 Jahren und damit in der zu erwartenden Lebensdauer 3,5 mal. Die Amortisation verläuft im Vergleich zu bauüblichen WDVS-Systemen zweimal langsamer. Dennoch erscheint das Konzept von großformatigen, vorgefertigten Dämmelementen für Nischenanwendungen sinnvoll. Bei Bedarf an einem hohen Dämmstandard bei gleichzeitig geringer Wanddicke, vor allem im Sanierungsbereich, lässt sich das Konzept in Verbindung mit Vakuumisolationspaneelen (VIP) sinnvoll anwenden.

Bauherr Hofheimer Wohnungsbau GmbH  
Gebäudetyp Zweifamilienhäuser  
     
Zeitangaben    
Baujahr des Gebäudes 1927  
Fertigstellung 2006  
Inbetriebnahme 2006  
     
Flächengrößen/Maße    
  vor Sanierung nach Sanierung
Bruttogrundfläche (nach DIN 277) 570 m²  
Nutzfläche AN (nach EnEV) 273 m²  
A/V-Verhältnis (ggf. vor / nach Sanierung)  0,77 m²/m³ 0,64 m²/m³

 

Energiekennwerte Bedarf      
Energiekennwerte nach EnEV, d.h. nach DIN 4108-6 bzw. DIN 18599 berechnet. Bezugsfläche ist jeweils die beheizte Nettogrundfläche nach DIN 277.      
  vor Sanierung  nach Sanierung  Einheit
Heizwärmebedarf (Nutzenergiebedarf Wärme) 194 48 kWh/m²a
Primärenergie Wärme 313 33 kWh/m²a
Primärenergie Gesamt   69 kWh/m²a
       
Energiekennwerte gemessen Verbrauch      
Bezugsfläche ist jeweils die beheizte Wohnfläche (Wohngebäude) bzw. die beheizte NGF für Nichtwohngebäude. Primärenergiefaktoren nach DIN 4701-10.      
       
  vor Sanierung nach Sanierung Einheit
Endenergie Strom gesamt   33 kWh/m²a
Endenergie Wärme   131 kWh/m²a

 

Sanierungskosten  
Kosten netto nach DIN 276 bezogen auf die Bruttogrundfläche (BGF) nach DIN 277  
   
Kosten für die (Sanierung der) Baukonstruktion [KG 300] 901 EUR/m²
Kosten für die (Sanierung der) Technischen Anlagen [KG 400] 210 EUR/m²
Es handelt sich hierbei um eine Kostenberechnung  

 

Zuletzt aktualisiert am: 12.07.2021

Drei baugleiche Wohngebäude auf unterschiedliche Energiestandards saniert

För­der­kenn­zei­chen: 0329750V

Projektlaufzeit
01.09.2004 30.04.2008 Heute ab­ge­schlos­sen

The­men

Sanierung von Einzelgebäuden, Neue Materialien

För­der­sum­me: 802.580,00 €

Kontakt

Koordination

Institut Wohnen und Umwelt IWU

Webadresse: http://www.iwu.de

+49(0)351-4679-0

©photo 5000 - stock.adobe.com

Gebäude

Um Bedürfnisse ihrer Nutzer zu erfüllen, müssen Gebäude sich über geeignete Verglasungen, Fassaden und Systeme für das Luft- und Wärmemanagement an das Außenklima und die variierenden Nutzeranforderungen anpassen. Clevere Gebäudekonzepte und innovative gebäudetechnische Systeme bieten hierfür die notwendige Flexibilität.

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Infotipp zum Projekt

BINE-Projektinfo 04/2008
Gebäude sanieren – hochdämmende Großelemente

Alle Publikationen des BINE Informationsdienstes finden Sie auf den Seiten der Deutschen Digitalen Bibliothek.

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