Bisher liegt die Sanierungsrate im Gebäudebestand in Deutschland bei rund einem Prozent. Wie lässt sich die jährliche Sanierungsrate deutlich steigern, etwa auf drei Prozent? Gemeinsam mit Kommunen untersuchten drei Verbundpartner die Hemmnisse und entwickelten angepasste Lösungsansätze. Als Ergebnis liegen nun in mehreren Bänden energieeffiziente Sanierungsfahrpläne für kommunale Quartiere vor. Diese enthalten Informationen zu unterschiedlich strukturierten Modellgebieten, innovative Förder- und Finanzierungsinstrumente sowie Kommunikations- und Mobilisierungsinstrumente. Die bereitgestellten Informationen sollen Kommunen helfen, bisher nicht genutzte Sanierungspotenziale zu erschließen.

Die Bundesregierung möchte bis 2050 einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand erreichen. Dafür soll die Sanierungsrate von derzeit ein Prozent auf jährlich zwei Prozent verdoppelt werden. Da gebäudebezogene Ansätze bisher nicht ausgereicht haben, um die angestrebte Sanierungsaktivität zu erreichen, wurde im Drei-Prozent-Projekt ein neues Instrument entwickelt und erprobt, der Sanierungsfahrplan  für kommunale Quartiere.

An dem Verbundforschungsprojekt arbeitete der Deutsche Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung e.V. gemeinsam mit der Beratungs- und Service-Gesellschaft Umwelt mbH und der Hochschule für Technik Stuttgart. Zudem waren die Kommunen Ludwigsburg, Aachen und Mühltal beteiligt. Das Projekt brachte Erkenntnisse in den Annex63 "Implementation of Energy Strategies in Communities" der internationalen Energieagentur (IEA) ein.

Forschungsfokus

Wer sich die Frage stellt, warum die energetische Sanierung nicht besser vorangeht, sollte zunächst wissen, wer welchen Einfluss darauf hat. Ein Forschungsschwerpunkt lag daher in der Kommunikation zwischen allen lokalen Akteuren, die einen Beitrag zur Umsetzung der Energie- und Klimaschutzziele im Gebäudebereich leisten können.

Kommunen spielen eine Schlüsselrolle beim Erreichen der im Energiekonzept verankerten Klimaschutzziele. Als operatives Instrument zur Eigentümermobilisierung geben Sanierungsfahrpläne Kommunen die Möglichkeit, einen eigentümerspezifischen Quartieransatz in Zukunft methodisch zu verfolgen und damit Synergien für Energieeffiziente Sanierung zu schaffen, die bisher nicht ausgeschöpft wurden.

Darüber hinaus sind in der Vergangenheit viele technisch anspruchsvolle Vorhaben im Bereich energetische Sanierungen an der Zustimmung und Akzeptanz der Haus- und Wohnungseigentümer gescheitert. Um die Akzeptanz energetischer Sanierungen nachhaltig zu erhöhen, ist es notwendig, zunächst die Stellschrauben zu identifizieren, die die individuelle Einstellung zu diesem Thema beeinflussen können. Über diese Stellschrauben kann nicht nur die Einstellung, sondern auch das Verhalten im Kontext energetischer Sanierung positiv verändert werden. Einfluss auf relevante Stellschrauben, wie zum Beispiel die Wahrnehmung der Kosten, Risiken und Vorteile energetischer Sanierungsmaßnahmen, kann durch eine frühzeitige und umfassende Kommunikation genommen werden. Kommunikation als kritischer Erfolgsfaktor bildet daher im drei Prozent Projekt - neben Aspekten der technischen Innovation und Machbarkeit sowie der Wirtschaftlichkeit und Finanzierung - einen thematischen Schwerpunkt.

Energieeffizienter Sanierungsfahrplan 2050 für kommunale Quartiere: Die drei Modell-Quartiere in Aachen-Brand, Ludwigsburg-Schlösslesfeld und Mühltal Nieder-Beerbach unterscheiden sich deutlich in Umfeld und Größe, Gebäudebestand und Energieversorgung. Zu sehen ist ein tabellarischer Vergleich der Modell-Quartiere.
B.&S.U. Beratungs- und Service-Gesellschaft Umwelt mbH
Die drei Modell-Quartiere in Aachen-Brand, Ludwigsburg-Schlösslesfeld und Mühltal Nieder-Beerbach unterscheiden sich deutlich in Umfeld und Größe, Gebäudebestand und Energieversorgung. (Stand 2017)

Quartierskonzept

In mehr als 75 Interviews und circa zehn runden Tischen mit lokalen Akteuren (etwa Öffentliche Verwaltungen, Stadtwerke, Mieter- und Hausbesitzervereine, Finanzinstitutionen, öffentliche und freie Wohnungswirtschaft, Energieagenturen- und Netzwerke oder Handwerkervereinigungen) wurde deutlich, dass die Treiber und Hemmnisse energetischer Sanierung je nach Eigentümertyp unterschiedlich sind.

Ausgehend davon wurden energieeffiziente Sanierungsfahrpläne für kommunale Quartiere – angepasst an Problemlagen und Eigentümergruppen – methodisch und operativ im Vorhaben entwickelt, um unterschiedliche Zielgruppen zu motivieren und noch ungenutzte Energieeffizienzpotenziale zu mobilisieren. Konkretes Ergebnis ist die Erstellung eines übertragbaren Handlungsleitfadens für Städte und Gemeinden zum erfolgreichen Einsatz des Instruments "Energetischer Sanierungsfahrplan für kommunale Quartiere".

Hierzu wurden für die nächsten zehn Jahre konkrete Maßnahmenvorschläge für den Gebäudebestand definiert, und weitere Ziele bis 2050 projiziert. Auf diese Weise soll der Leitfaden die Erarbeitung von weiteren Sanierungsfahrplänen für Quartiere erleichtern, um deutschlandweit die Sanierung des kommunalen Gebäudebestands voranzutreiben.

Aktuell werden im Folgevorhaben "Drei Prozent plus" in mehreren Kommunen Energetische Sanierungsfahrpläne für kommunale Quartiere in die Praxis umgesetzt.

Zuletzt aktualisiert am: 12.07.2021

Drei Prozent Projekt - energieeffizienter Sanierungsfahrplan für kommunale Quartiere 2050, Teilprojekt: Instrument

För­der­kenn­zei­chen: 03ET4017A-C

Projektlaufzeit
01.08.2015 31.03.2019 Heute ab­ge­schlos­sen

The­men

Sanierung von Einzelgebäuden, Quartierskonzepte, Sanierung von Siedlungen, Planung & Auslegung, Mensch & Technik

För­der­sum­me: 1.256.367.30€

Kontakt

Koordination
Deutscher Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung e.V. (DV)
http://www.deutscher-verband.org/

Tel.: +49(0)30-2061325-56

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Quartier und Stadt

Neben der energetischen Optimierung einzelner Gebäude birgt die ganzheitliche Betrachtung städtischer Siedlungsräume ein großes Potenzial zur Steigerung der Energieeffizienz. Städte können dabei wichtige Rahmenbedingungen für die Umsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen vorgeben.

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