23.01.23 | Aktualisiert am: 26.01.2023

Die Wärmeerzeuger der Zukunft sind dezentral und erneuerbar. Dies stellt Wärmeversorger vor neue Herausforderungen. Eine Lösung stellen digitale Wärmekraftwerke dar, die jetzt bei den Stadtwerken in Gießen, Hanau und Marburg getestet werden.

Bis 2045 soll laut Bundesregierung die Wärmebereitstellung über Wärmenetze klimaneutral sein. Um die damit angestrebte Dekarbonisierung des Wärmesektors zu erreichen, müssen kleinere und verteilt gelegene Wärmeerzeuger wie Großwärmepumpen, Solarthermie- oder KWK-Anlagen in das Fernwärmesystem integriert werden. Damit dies möglich ist, sind zum Teil niedrigere Systemtemperaturen als bisher erforderlich.

Dies zwingt Energieversorger wie Stadtwerke zum Umdenken: Sie müssen es schaffen, die unterschiedlichen Wärmeerzeuger flexibel und kostenoptimal einzusetzen und gleichzeitig die stärkere Belastung der hydraulischen Systeme durch wechselnde Druck- und Temperaturniveaus zu kompensieren. Der intelligente Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) kann hier helfen. Sensoren liefern Informationen zum Wärmebedarf oder zum Zustand im Wärmenetz an das digitale System. Ein intelligentes und vorausschauendes Wärmespeicher- und Erzeugermanagement ist somit möglich.

Im jetzt gestarteten Vorhaben DigiHeat (Digitalisiertes Wärmekraftwerk für eine effizientere urbane Fernwärmeversorgung) untersuchen Forschende unter Leitung des „AGFW – Der Energieeffizienzverband für Wärme, Kälte und KWK“, wie Technologien zur Datenübertragung und –verarbeitung im Fernwärmesektor effizient eingesetzt werden können. Ziel ist ein so genanntes digitalisiertes Wärmekraftwerk, welches die Erzeugung, Verteilung und den Verbrauch der Fernwärme erfasst und effizient steuert. Als Vorbild dienen virtuelle Kraftwerke, die im Stromsektor bereits etabliert sind.

Vorbild Virtuelles Kraftwerk

Virtuelle Kraftwerke sind bisher aus dem Stromsektor bekannt und bezeichnen die Verschaltung verschiedener Verbraucher und Erzeuger, um durch Pooling-Effekte Lasten und Erzeugung aneinander anzupassen, Spitzenlasten zu glätten und so eine effizientere Stromversorgung zu ermöglichen. Das digitale Wärmekraftwerk definiert sich aus der Übertragung der Logik des virtuellen Kraftwerks auf den Fernwärmesektor.

Ihre Erkenntnisse setzen die Expertinnen und Experten bei den am Projekt beteiligten Stadtwerken in Gießen, Hanau und Marburg um und sammeln so wichtige Praxiserfahrungen. Hiervon können langfristig auch andere Stadtwerke bei der Digitalisierung ihrer Prozesse profitieren. (bs)

Kontakt

Koordination
AGFW- Der Energieeffizienzverband für Wärme, Kälte und KWK e.V.
Thomas Pauschinger
E-Mail
Tel.: +49 69 6304-1
Webadresse

Das Informationssystem EnArgus bietet Angaben zur Forschungsförderung, so auch zu diesem Projekt.

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