18.10.2021 | Aktualisiert am: 09.11.2021

Was in Kommunen bereits erfolgreich ist, überträgt das Forschungsprojekt IntrHo auf Universitäten: Mit dem sogenannten Intracting macht eine einmalige Investition die energetische Sanierung von Gebäuden zum Selbstläufer. Wie das Konzept in der Praxis funktioniert, zeigt nun ein neuer Leitfaden.

Viele Universitäten stehen vor einem Dilemma: Ihre Bestandsgebäude sind sanierungsbedürftig, schneiden bei CO2-Emissionen und Energieeffizienz schlecht ab. Für Maßnahmen, die das ändern könnten, fehlen oft finanzielle und personelle Ressourcen. In einer ähnlichen Zwickmühle zwischen langfristigen Zielen und kurzfristigen Zwängen bei der Mittelvergabe standen Mitte der 1990er Jahre auch einige Kommunen. 

Um ihr Dilemma zu lösen, entwickelten sie das Finanzierungsinstrument Intracting, das auch heute noch erfolgreich eingesetzt wird. Wie das Konzept die energetische Sanierung von Hochschulgebäuden ebenfalls vorantreiben kann, haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Forschungsprojekt IntrHo analysiert und die Umsetzung der Universität Kassel in einem Pilotprojekt begleitet. Die wesentlichen Schritte und Erfolgsfaktoren haben die Forschenden nun in einem Leitfaden zusammengefasst.

Einmal investieren, kontinuierlich profitieren

Was ist Intracting?

Intracting (Internes Contracting) ist ein Finanzierungskonzept für Energiesparmaßnahmen im Gebäudesektor. Nach energetischen Verbesserungen werden die so gesparten Kosten bei Strom oder Wärme auf ein eigenes Konto gebucht und in weitere Maßnahmen reinvestiert. Mit einer einmaligen Anschubfinanzierung kann so ein sich selbst verstärkender Finanzmittelkreislauf in Gang gesetzt werden. Auch bei knappen Haushaltsmitteln kann so ein substanzieller Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden.

„Mit Intracting werden die vielen, zum Teil sehr wirtschaftlichen Energieeinsparmaßnahmen an Hochschulen umgesetzt und der Klimaschutz vorangebracht“, sagt Projektleiter Professor Jens Knissel. „Bezogen auf die betrachteten Maßnahmen sinken der Energieverbrauch und damit auch die CO2-Emissionen um 60 bis 70 Prozent.“ Das IntrHo-Team geht davon aus, dass die Universität Kassel mit Intracting langfristig den gesamten Wärme- und Stromverbrauch ihrer Gebäude um rund 30 Prozent reduzieren könnte.

Damit leistet die Hochschule nicht nur einen Beitrag zum Klimaschutz, sie macht langfristig auch Gewinn. Nach einer ersten Anlaufzeit fließt ein Teil der eingesparten Energiekosten zurück in den eigenen Haushalt, der andere Teil wird einer Intracting-Kostenstelle gutgeschrieben und in neue Energiesparmaßnehmen reinvestiert. Die Anschubfinanzierung vervielfältigt ihr Volumen durch diesen Selbstverstärkungseffekt innerhalb von 15 Jahren um den Faktor 20 bis 40. „Intracting ist somit ein mächtiges Klimaschutz-Instrument, das Ökonomie und Ökologie zu einer Win-Win-Situation vereint“, sagt Marius Ehlert, Co-Autor des neuen Leitfadens.

Das Intracting-Team der Universität Kassel (v.l.n.r.): Dirk Schnurr (Energieeffizienzmanager, Abteilung Bau, Technik und Liegenschaften), Marius Ehlert (Wiss.-MA. FG Technische Gebäudeausrüstung), Prof. Dr-Ing.Jens Knissel (Leiter Fachgebiet Technische Gebäudeausrüstung).
©Nina Skripietz
Das Intracting-Team der Universität Kassel (v.l.n.r.): Dirk Schnurr (Energieeffizienzmanager, Abteilung Bau, Technik und Liegenschaften), Marius Ehlert (Wiss.-MA. FG Technische Gebäudeausrüstung), Prof. Dr-Ing.Jens Knissel (Leiter Fachgebiet Technische Gebäudeausrüstung).

Schnelle Erfolge bringen die Selbstfinanzierung ins Rollen

Das Pilotprojekt an der Universität Kassel ist mit einer Summe von 850.000 Euro als Anschubfinanzierung an den Start gegangen. Von 2015 bis 2020 wurden damit bisher 30 Energieeffizienzmaßnahmen umgesetzt. Unter anderem installierte die Hochschule Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern mehrerer Gebäude. Aus der Praxis nehmen die Forschenden einige wichtige Erkenntnisse für erfolgreiches Intracting mit: So sind etwa besonders wirtschaftliche und gleichzeitig schnell umsetzbare Maßnahmen gerade in der Anfangsphase entscheidend. Denn nur, wenn genügend Mittel in die Intracting-Kostenstelle zurückfließen, kann sich das Projekt auch finanzieren. Auf Rückzahlungen sollte bis dahin verzichtet werden.

Der Leitfaden thematisiert diese und andere Fallstricke und beantwortet typische und wiederkehrende Fragen rund um das Thema Intracting an Hochschulen. Zudem hat das IntrHo-Team Werkzeuge entwickelt, die bei der Entwicklung von Intracting-Strategien helfen. Der komplette Leitfaden kann auf der Seite der Universität Kassel heruntergeladen werden. (ks)

Kontakt

Universität Kassel
Fachgebiet für Technische Gebäudeausrüstung
www.uni-kassel.de
+49(0)561-804-7463

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